Pirat

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Eines Tages, im Sofa tief
Fand ich alles was von dir noch blieb
Aus der Tiefe holte ich das Ding
Ein einsamer, einzelner Ohrenring

Ein Ohrring ohne Partner
ist jedoch kaum noch tragbar
Denn ist nur einer vom Paar parat
Ist man nur noch ein Pirat

Ich leb ein Leben ohne Pflicht
Jede Bindung fahr ich auf Sicht
Kein Drama, Unterhaltung in seicht

So ist das Piratenleben: locker-leicht

Die Nase immer im Wind, das gefällt
So macht meine Freiheit mich zum Held

Jeder Tag endet in einem langen Fest
Weil mich zu Hause keiner vermisst

Doch am Ende eines Tags
Bin ich nur noch ein Pirat
Pack in einen Brief den Ohrenrring
Und schick per Flaschenpost das Ding

Wachstum, Wachstum

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Ich wollte einen großen Baum
Wachstum, Wachstum, in jeden Raum
Versuchte es mit Liebe
Der Aufsichtsrat gab Hiebe

Dann nahm ich Dünger mit Uran
Und schneller wuchs der Baum heran
Von den Räten gab’s Applaus
Und meinen Kindern fielen die Haare aus

So gehen die Gauchos

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Fünf Stunden hinterher steht ein Gaucho auf
Morgentoilette muss, rasieren fällt aus
Etwas Brot zwischen restliche Zähne
Dann schleicht er hinaus in grauen Nebel

Dort melkt er die Finger sich steif
Flickt in Zäunen neue Löcher
Füllt Wasser in Wannen aus Rost
Nebenbei hilft er noch kalben

Später ist einige Zeit vergangen
Er lehnt sich an einen Baum heran
Denkt wieder an den Abend
Es fehlte nicht viel, war knapp
So gehen die Gauchos in den Tag

Währenddessen werktags anderswo
Tausend eine bunte Straße bewohnen
Dort schunkeln und singen und springen sie
als die fleischgewordene Wirtschaftskraft
es vom Fußballspielen nach Hause schafft

Fehler im System

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Santiago

Menschen bauen Häuser. Damit sie bauen dürfen, müssen sie zum Amt gehen und den Bau genehmigen lassen. Dort, hinter einer Wand aus Stempeln, sitze ich. Ich, Werner Dietrich, geboren am errechneten Termin im geburtsreichsten Monat des Jahres um 13 Uhr 10. Meine Eltern frühstückten noch, fuhren ins Krankenhaus und ließen die dritte Geburt an diesem Tag in dieser Klinik einleiten. Und obwohl die meisten 68er-Bewegten bereits ein Reihenhaus gebaut hatten, gaben meine Eltern mir den Namen Werner. Nach meinem Großvater, so war es Tradition. Es folgten Krippe, Kindergarten, Grundschule, Gymnasium. Ich schloss eine Lehre zum Verwaltungsfachangestellten ab und arbeitete fortan im Amt. Dort nehme ich Bauanträge an, lasse prüfen und stempele ab. Montags bis Freitags, 8 – 16 Uhr genehmige ich Kinderzimmer, Dachziegel- und Wandputzfarben und ermögliche so Träume.

„Santiago geht nur über Paris.“ sagte die Frau am Ticketschalter. Heute morgen hatte ich einen Koffer gepackt und war zum Flughafen gefahren. Es war die spontane Idee einfach loszugehen. Nach Santiago. Aber in Paris war Messe, sagte mir die Dame vom Schalter. Sie sprach davon, dass man solche Flüge früher planen muss.
Kritisch beäugte mich auch Ticketfrau Nummer Zwei, als ich meinen Koffer zeigend verdeutlichte, dass ich jetzt los wollte. Ein belehrender Blick und scharfe Worte teilten mir mit, dass in Paris Messe sei, alles zu seiner Zeit sein müsse und es darum die Urlaubsplanung gäbe.
Entmutigt stand ich vor Ticketfrau Nummer Drei, die sich engagiert zeigte und mir einen Flug über Kopenhagen und Amsterdam verkaufte. Nicht jetzt aber in ein paar Stunden. Kurz nach dem Kauf erinnerte sie mich daran, dass ich noch ein Visum bräuchte, verabschiedete mich und ging in die Pause.

Ich war schon auf dem Weg zur Botschaft, als mein Handy klingelte. Das Amt. Heute muss es ohne mich gehen, dachte ich mir und ignorierte das Telefon.
In der Botschaft erhielt ich eine weitere Belehrung. Man kann nicht einfach morgens aufstehen und nach Santiago fliegen. Dafür braucht man einen Plan, sprach der Botschaftsmitarbeiter. Man muss Urlaub beantragen und warten bis dieser bestätigt ist. Genau wie bei einem Visa. In ein paar Wochen käme es aber. Und dann könnte ich los. Irgendwie würde es schon trotzdem klappen, dachte ich mir. In Santiago, da ticken die Uhren anders, da braucht man kein gestempeltes Stück Papier.

Während ich wieder zum Flughafen fuhr, meldete sich das Amt per SMS und erinnerte an die heutigen Termine und das übliche Prozedere bei Krankmeldungen. Morgendlicher Anruf, innerhalb von drei Tagen die Rückkehr an den Arbeitsplatz oder ein schriftliches Attest vom Arzt. Ich stieg dennoch in das Flugzeug, flog nach Kopenhagen und weiter nach Amsterdam. Von dort nach Paris. Und in Paris stieg ich in das Flugzeug nach Santiago.

„Im Flughafen von Santiago kam ich dann an einen Schalter, an dem man meinen Ausweis und mein Visum sehen wollte. Da ich kein Visum hatte, ließ man mich nicht durch. Bis zum Flughafen von Santiago bin ich gekommen, dann musste ich wieder zurück.“ Der Polizist nickt, als ich ihm die Geschichte erzähle.

Als ich wieder vor meiner Wohnung stand, war meine Tür mit einem polizeilichem Siegel zugeklebt. Auf dem Polizeirevier informierte man mich darüber, dass meine Tür aufgebrochen wurde, weil man sich auf dem Amt Sorgen um mich gemacht hatte. Die Kosten für Reparatur und Einsatz hätte ich selber zu tragen. So einen Urlaub müsse man eben planen und anmelden. Man darf nicht einfach losgehen.

FIEBER

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Seit mehreren Jahren bereits begleite ich Zeitrausch. Kennengelernt haben wir uns auf einem Bandcontest, den ich moderiert habe. Nach unzählige Fotos, die ich von Zeitrausch geschossen habe und einigen auf den Kopf gestellten Hotelzimmern habe ich am 24. Mai die Jungs bei ihrem Konzert im Privatclub mit der Kamera begleitet. Die daraus entstandene Dokumentation ‚FIEBER‘ könnt ihr nun sehen.

Mehr von Zeitrausch findet ihr auf www.facebook.com/zeitrauschband.