Die Liebsten

Einer geht, viele bleiben
Erst die Trauer, dann das Treiben
Um eine Erinnerung vom Liebsten
Das füllt die Lücke auf im Herzen

Eben noch beim Leichenschmaus
Ist´s bald mit der Beherrschung aus
Ungefragt gibt jeder seine Antwort
Wen einer hier hatte am liebsten

Welche Antwort mag wohl stimmen
Fragt dann jeder einen Fremden
Denn Fremde kennen sich besser aus
Was dem einen war das Liebste

Dann wird gewogen und vermessen
Ein letzter Fremder macht ‘nen Spruch
So kommt noch mancher von vielen
Zu seinem Liebsten

Trinker

Er mag sie sehr
Sehnt sich nach ihr
Doch tut sie nicht gut
Er widersteht ihr mit Mut

Er öffnet sie wieder
Und legt sich danieder
Sie betäubt ihm die Sinne
Macht alles schöner, heller
wärmer

In diesen Höhen
Wünscht er kein Ende
Hoher Stieg, tiefer Fall
Zurück
Dreck

Krümmt sich
Bereut schon
Dieses letzte Mal
Auch wenn ich sie mag

Ostergedicht

Endlich wieder Weihnachten
Fest der Lichter, selten bin ich dichter

Glück und Lächeln überall
Wir alle lachen beim Freude machen

Und all die Leckerein
Dazu ein Wein, heute darf das mal sein

Niemals sollten sie enden
Diese Tage, von denen ich zu wenig habe

Horst

Nur ein Kind mit einer andern
Schon wirst du zu Hause nicht mehr berührt
Macht doch nichts – denkste dir zuerst
Wirst du eben einer, der Menschen führt

Zunächst läuft alles auch ganz gut
Auch wenn daheim keiner fragt wo du warst
Macht aber nichts – denkste dir noch
In der Zeitung ist es ja nachlesbar

Doch dann spielen sie mit dir Macbeth
Wagen es und sehen nicht wer da thront
Das macht dann was – Sehnst dich nach Haus
Zu der Frau, die jetzt nur noch bei dir wohnt

Dort sieht alles aus wie früher
Ist aber irgendwie anders, irgendwie fremd
Und dann hört man dich nur noch skandieren:
Heimat! Heimat! Heimat!

Beihilfe

Oskar kann nicht schlafen
Denn der Kopf tut weh
Denn der Kopf, der denkt

Beihilfe zum Mord
haben sie gesagt
Dreihunderttausend Mal
haben sie gedruckt

Doch ich tat eben das
ein andrer verkaufte Schnaps
Der andre ist in Rente
aber ich bin jetzt hier

Kaum achtzehn in der Partei
ging ich bald zum Totenkopf
Man holte mich gen Osten
und ich tat meinen Beruf

Sie gingen sterben
Ich zählte ihr Geld
Hätte ich es nicht
Hätte ein andrer

Doch darum liegt Oskar nicht wach
Denn zum andern kam der Säufer von allein
Die Sterbenden im Zug

Und der Kopf, der denkt
Kann es auch stimmen?
Dreihunderttausend Mal?

Man setzt sich

Ich hatte lang überlegt
Ob du dich mal setzt
Auf den Platz neben mir
Und ich freu mich – du hier

Dann sitzen wir da
Und es ist gut
Ein paar Worte von mir
Ein paar Worte von dir

Wir sitzen weiter so da
Da komm‘ Gedanken
Ich denke an dieses
Du aber an jenes

Dann setzt du dich weg
Das hat mich doch überrascht
Ich schau dir noch nach
Und freu mich nicht mehr